Zeitanalyse: Uhr vor schwarzem Hintergrund, die 5 vor 12 zeigt.

Zeitanalysen mit MTM für eine höhere Produktionseffizienz

Die Bedeutung von MTM-Zeitanalysen anhand eines Praxisbeispiels: Erfahren Sie, warum die Anwendung von Zeitanalysen mit der MTM-Methode anhand eines realen Fallbeispiels so entscheidend sein kann.

Mit Zeitanalysen via MTM (methods-time measurement) lässt sich die Produktionseffizienz deutlich steigern. Vor dieser Aufgabe standen wir bei einem Zulieferunternehmen. Dabei war zusätzlich eine Potenzialbewertung durchzuführen.

Aktuelle Aufgabenstellung für eine Zeitanalyse

Ein Kunde reduzierte die Taktzeit um 8 %. Die Aufgabe bestand darin, ohne zusätzliche Personalkapazitäten die bestehende Montagelinie an diesen neuen Kundentakt anzupassen. Dabei sollten keine größeren Investitionen getätigt oder Umbaumaßnahmen vorgenommen werden. Auf der betreffenden Montagelinie werden unterschiedlichste Teilevarianten und -ausführungen hergestellt. Der Herstellungsprozess unterliegt wiederum für jedes Teil einer eigenen Taktzeit.

Bewältigung dieser Herausforderung durch eine MTM Ist-Analyse

Für jede Teilevariante und jede ausführende Station erstellte das Team eine MTM IsT-Analyse. Es ermittelte zugleich die Taktzeitgeber pro Ausführung und führte eine Potenzialanalyse je Montagestation und Ausführung durch. Danach legte die Teamleitung die erforderlichen Maßnahmen fest, wobei sie auch nicht wertschöpfende Arbeiten wie unnötige oder erhöhte Körperbewegungen bewertete. Die Taktzeitgeber wurden pro Ausführung visualisiert und bewertet.

Welche Lösungen konnten wir für den Kunden realisieren?

Der Produktionsprozess wurde mit diesen Maßnahmen an die neue Taktzeit des Kunden angepasst:

  • Reduzierung der Wege zu den Schaltelementen durch das einfache Versetzen der nötigen Schaltelemente
  • Reduzierung der Zustellbewegungen von prozessabhängigen Prüfungen
  • Einsatz eines neuen Warenträgers, um die Wartezeiten durch das Verfahren zwischen Endstation und Startstation zu eliminieren

Unser Leistungsangebot

Die Prozessanalysen stellen den ersten Schritt zur Montageoptimierung dar. Sie eliminieren nicht wertschöpfende Tätigkeiten. Für die Erarbeitung eines effektiven Montagekonzepts sind MTM-Zeitanalysen die Basis für das weitere Leistungsangebot, zu welchem unter anderem die intelligente Anbindung der Logistik gehört.

Was bedeutet MTM im Zusammenhang mit einer Zeitanalyse?

Das Kürzel steht für methods-time measurement. Im deutschen Sprachraum ist auch die Abkürzung AZZ für Arbeitsablauf-Zeitanalyse geläufig. Das Verfahren dient der Analyse von wertschöpfenden Arbeitsabläufen und der Ermittlung der Plan- und Vorgabezeiten. Erste Forschungen zur Thematik gab es schon im Jahr 1910 durch den US-Amerikaner Frank Bunker Gilbreth, der den menschlichen Bewegungsablauf in der Produktion analysierte. Asa B. Segur ordnete später Zeitwerte zu, was die Möglichkeit schuf, Bewegungsabläufe quantitativ zu bewerten. Er veröffentlicht 1926 eine Abhandlung dazu, die er mit „Motion Time Analysis“ betitelte (MTA). Daraus entwickelten nachfolgende Forscher das MTM, das in den späten 1940er Jahren und ab 1950 in Schweden als erstem europäischen Land eingeführt wurde. 1957 gründete sich die Schweizer MTM Vereinigung, der 1962 die gleichnamige deutsche Vereinigung folgte. Im industriellen Umfeld ist das Verfahren wichtig für die Planung der manuellen Arbeitsabläufe. Bei Massenfertigungen müssen Planer wissen, wie lange die Beschäftigten für bestimmte Tätigkeiten brauchen. Im Prozess der Planung lassen sich damit Zeitanalysen durchführen, wenn der Aufbau des Arbeitssystems und die geplanten Arbeitsabläufe bekannt sind. Es ist nicht erforderlich, die tatsächlichen Abläufe im Produktionsprozess mit der Stoppuhr zu messen. Die MTM-Planung basiert darauf, die menschlichen Bewegungen im Prozess auf bestimmte Grundbewegungen zurückzuführen, deren Zeit bekannt ist. MTM-1 erfasst beispielsweise die kleinsten Bewegungselemente, so unter anderem:

  • „Greifen“
  • „Hinlangen“
  • „Bringen“
  • „Loslassen“
  • „Fügen“
  • „Beugen/Bücken“
  • „Gehen“
  • „visuelle Kontrolle“

In Tabellen sind zu diesen Grundbewegungselementen die empirisch ermittelten Zeiten hinterlegt. Sie wurden mit Zeitlupenaufnahmen erfasst. Hinzu kommen weitere Parameter wie die Entfernung, über die eine Bewegung ausgeführt wird. Die Codierung in MTM-1 erfolgt mnemotechnisch auf Englisch. So steht etwa „R“ für Reach, zu Deutsch Hinlangen. Die Codierung erfolgt weltweit einheitlich, weshalb geschulte Mitarbeiter überall auf der Welt die Codes lesen und nachvollziehen können. Unternehmen können damit einheitliche Verfahren und Methoden anwenden, was wiederum zu einheitlichen Qualitätsstandards bei vergleichbaren und exakt quantifizierbaren Aufwänden führt.

Wie erfolgt die Potenzialbewertung mit dem Verfahren?

Sie geht davon aus, dass die MTM-Zeiten von durchschnittlich geübten Beschäftigten während des gesamten Arbeitstages erreicht werden. Es wurde daher die Zeiteinheit TMU (Time Measurement Unit) eingeführt:

  • 1 TMU = 0,036 sec.
  • 100.000 = 1 h

Verdichtete Verfahren für die schnellere Potenzialanalyse

Mit verdichteten Verfahren vereinfacht sich die Anwendung. Sie bauen auf MTM-1 auf und fassen dessen Grundbewegungselemente zusammen. So wird aus „Hinlangen + Greifen + Bringen + Fügen + Loslassen“ das verdichtete „Aufnehmen und Platzieren“. Das erlaubt eine schnellere Potenzialanalyse, die häufig für eine ausreichend genaue Bewertung der Produktionseffizienz genügt. Das verdichtete Verfahren fasst nicht nur Bewegungselemente zusammen, sondern verdichtet auch systematisch die erhobenen Daten. In MTM-1 wird eine Beidhand-Analyse praktiziert. Die rechte und die linke Hand werden mithin getrennt voneinander nach festen Regeln analysiert. Das verdichtete Verfahren behandelt beide Hände gleich und bricht die Genauigkeit sonstiger Parameter wie etwa Fügegenauigkeit und Greifentfernung auf das erforderliche Mindestmaß herunter. Es lassen sich mit solchen übergeordneten Methoden auch komplexere Arbeitsabläufe hinreichend genau analysieren. Die etwas geringere Genauigkeit gleichen statistische Auswertungen von größeren Datenmengen aus. Sie basieren auf dem Gauß’schen Fehlerausgleichsgesetz. Es besagt, dass ein Gesamtfehler stets kleiner als die Summe aller Einzelfehler ist. Solche verdichteten Systeme sind in der Serienfertigung als UAS (Universelles Analysier-System) und in der Kleinserien- und Einzelfertigung als MEK bekannt. Auf den verdichteten Verfahren bauen diejenigen Tabellen auf, welche die voranalysierte Abläufe für typische Montagetätigkeiten erfassen. Dazu gehören beispielsweise „Schrauben“ oder „Normteile montieren“. In diesen Tabellen sind standardisiert neben den gewichteten Methoden der Potenzialanalyse auch die Prozesszeiten für die statische Haltearbeit und die unbeeinflussbaren Tätigkeiten enthalten. Anwender nutzen allerdings je nach industriellem Bereich nicht nur die verdichteten Wertetabellen der MTM-Gesellschaft, sondern auch noch weitere Verdichtungsstufen, mit denen sie ihre unternehmensspezifischer Prozesse exakt abbilden und somit ihre eigene Produktionseffizienz genau bewerten können. Damit lassen sich dann IST-Analysen der eigenen Abläufe durchführen.

Weitere Anwendungen von MTM

Neben der Anwendung in der Planung lässt sich das Verfahren auch für die Berechnung von Leistungsentgelten unter anderem für die Akkordarbeit anwenden. Dabei müssen nicht immer die genannten Verdichtungen zum Einsatz kommen. Alternativ dazu lässt sich Analyseaufwand per Computerunterstützung reduzieren. Die Dokumentation der Handlungen und die umfassende Aufnahme der Projektdaten lässt sich vereinfachen. Solche Modelle bietet unter anderem die Deutsche MTM-Gesellschaft mit TiCon4 oder ILMOPLAN an (ILMOPLAN für „Interaktive Layout- und Montageplanung“). Um die MTM-Methode korrekt anzuwenden, ist das richtige Verfahren auszuwählen. Diesem geht im Rahmen der IST-Analyse eine genaue Beurteilung des Methodenniveaus im Arbeitssystem voraus. Es werden die Wiederholhäufigkeit einzelner Verrichtungen, das Vorkommen von statischer Haltearbeit und Prozesszeiten sowie der Organisationsgrad des Arbeitssystems betrachtet, wenn sich diese Parameter mit dem MTM-Verfahren nicht direkt analysieren lassen. Auch sind bei einem begrenzten Einsatz des MTM-Verfahrens Analysen durch andere Verfahren möglich. Dazu gehören Maschinendatenblätter, Zeitstudien nach REFA, Schätzen und Vergleichen. Die richtige Anwendung der Verfahren setzt eine umfangreiche Ausbildung des Analysten voraus. Im Rahmen dieser Ausbildung üben spätere Anwender an vielen Beispielen, um zu vergleichbaren und reproduzierbaren Ergebnissen zu gelangen. Maßgebend ist stets die genaue Beschreibung aller Abläufe im Produktionsprozess, um die mögliche Steigerung der Produktionseffizienz richtig zu bewerten.

Zeitanalysen für den KVP

Die Zeitanalysen per MTM führen zu einem KVP (kontinuierlicher Verbesserungsprozess). Der KVP oder im englischen Sprachraum CIP (Continual Improvement Process beziehungsweise Continuous Improvement Process) stärkt mit stetigen, wenn auch kleinen Verbesserungen die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Der KVP bezieht die Prozess-, Produkt- und Servicequalität in die Betrachtung mit ein. In der Logistik und bei Montagekonzepten entsteht ein KVP während der Teamarbeit durch stetige kleine Verbesserungsschritte. Er unterscheidet sich damit von großen Innovationen, die mit einschneidenden Veränderungen verbunden sind. Im Qualitätsmanagement gehört der KVP zu den Grundprinzipien, weshalb er in der ISO 9001 enthalten ist. Die Verbesserungsvorschläge können einzelne Beschäftigte und Arbeitsgruppen erarbeiten. Das betriebliche Vorschlagswesen fasst diese Vorgehensweise begrifflich als Ideenmanagement zusammen. Erfahren Sie mehr zu unseren Prozessanalysen.

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